Bunte Bänder für unsere Städte in Zeiten des Klimawandels: Naturnahe städtische Blühflächen entlang von Verkehrsachsen zur Förderung der ökologischen Funktionalität

Das stetige Wachstum vieler Städte in Europa und die steigende Flächenversiegelung im ländlichen Raum verändern die Landschaft und die Lebensräume vieler Tier- und Pflanzenarten auf dramatische Weise: Vielerorts in Europa werden Rückgänge von Habitaten und Wildtierpopulationen beobachtet, und aktuell steht der Rückgang vieler Insektenarten (speziell der Wildbienen) im Fokus der Öffentlichkeit.

Mit steigendem Grad der Urbanisierung (Anteil der versiegelten Fläche, Gebäudedichte, Verkehrsdichte etc.) sinkt die Vielfalt und Abundanz der Bestäuber, was in urbanen Räumen vor allem durch Habitatfragmentierung verursacht wird. Der genetische Austausch isolierter Insektenpopulationen ist gerade in städtischen Gebieten oft nur eingeschränkt möglich.

Ein Teilgebiet des Projektes der „Blühenden Bänder in Städten“ befasst sich daher mit der Vernetzung vereinzelter Bestäuberpopulationen und soll den entsprechenden Arten bessere Möglichkeiten geben, entlang eines Innenstadt-Stadtrand-Gradienten zu wandern. Dazu werden Blühflächen entlang großer Verkehrsachsen (Innenstadt–Stadtrand) in München angelegt. Variierende Flächenabstände sollen aufzeigen, welche maximalen Entfernungen Insekten in der Lage sind zu überwinden.

Neben ihrer Attraktivität für Insekten soll ein großflächiger Einsatz blühender Flächen für den urbanen Bereich erprobt werden. Die Saatmischungen der angelegten Flächen variieren in ihren Zusammensetzungen unter Einbindung seltener Arten, und ihre Einsatzfähigkeit wird in Praxistests untersucht.

Städtisches Grün erfüllt neben Biodiversitätseffekten und seinen ästhetischen und raumordnenden Aufgaben auch die Funktion der Klimaregulation. Neben der Verbesserung der Lebenssituation von Bestäubern soll daher die Anlage der Blühstreifen auch in Blick auf mikroklimatische Standorteigenschaften im Vergleich zu herkömmlicher Bepflanzung untersucht werden.

Folgende wissenschaftliche und praktische Ziele werden im Projekt der „Bunten Bänder“ angestrebt:

1.  Entwicklung und Erprobung der Anlage eines Blühflächenverbundes entlang von mehreren städtischen Hauptverkehrsachsen zur Förderung von Bestäubern und zur urbanen Klimaanpassung

2. Bewertung der Klimaresilienz und der Attraktivität verschiedener Artenmischungen für Bestäuber und andere Nützlinge im Vergleich mit existierenden Blühflächen und Grünanlagen

3. Klimatische Optimierung der Größe und Abstände der Blühflächen als Korridore für Bestäuber und andere Nützlinge entlang eines Stadt-Land-Gradienten auf Basis von deren Bewegungsverhalten

4. Verbesserung der Lebensqualität der Stadtbewohner durch die mikroklimatischen und ästhetischen Wirkungen der Blühflächen

5. Empfehlung für praktikable Kompromisse zwischen den Anforderungen des Naturschutzes und der Stadtgrünpflege zur Steigerung der urbanen Klimaresilienz und der Biodiversität der Bestäuber